Beim Aşure-Fest wird das Miteinander gefeiert

Am 6. August wurde auf dem Vorplatz des Rathauses Neukölln wieder gemeinsam das Aşure Fest gefeiert

Fotos: Birgit Leiß

Wegen ein bisschen Nieselregen das Ganze in die Vereinsräume in der Donaustraße 102 verlegen? Das kommt für den Verein Sivasli Canlar nicht in Frage. Fast schon empört wehrt der Vorsitzende Cemal Boyraz die Frage ab. Man will das Fest, mit dem die alevitische Glaubensgemeinschaft ihre Trauerzeit um den Heiligen Hüseyin beendet, öffentlich feiern. Der Verein ist dankbar und auch ein wenig stolz darauf, dass er dafür seit sechs Jahren den Rathausvorplatz nutzen darf. Denn Aşure steht für das solidarische Miteinander. Wichtigster Bestandteil ist die traditionelle gleichnamige Süßspeise, die mit allen geteilt wird: mit der Familie, mit der Nachbarschaft und mit den Armen. Auch die Obdachlosen, die sich vor dem Neuköllner Rathaus aufhielten, wurden freundlich eingeladen, sich eine Schüssel zu nehmen.

12 gute Sachen gehören in die Süßspeise

Schon am Vortag hatten die Frauen des Vereins mit den Vorbereitungen begonnen und Weizen und Kichererbsen eingeweicht. Am Sonntag selber standen sie von 8 Uhr morgens an in den Vereinsräumen, öffneten unzählige Granatäpfel und schnitten Berge von Nüsse und Trockenfrüchten klein. 12 Zutaten gehören in die sehr gehaltvolle Aşure (ausgesprochen und manchmal auch geschrieben ‚Aschure‘). Sie stehen symbolisch für die Zwölf Imame.

Viel Zuspruch von der Politik

Wie schon in den Vorjahren hatten sich auch Politiker:innen aus Bezirk und Abgeordnetenhaus eingefunden. „Es ist großartig, dass wir das hier zusammen feiern können, religiöse Feste müssen immer draußen stattfinden“, erklärte Andreas Audretsch, Bundestagsabgeordneter der Grünen. Auch Hakan Demir, Bundestagsabgeordneter der SPD, freut sich über die schöne Tradition, das Fest öffentlich zu feiern: „Das stärkt die Demokratie“. Es gehe darum, Neukölln gemeinsam zu gestalten. Und genau das will der Verein Sivasli Canlar, der auch Träger des Donaukiez-Nachbarschaftstreffs ist, demonstrieren: „Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft und das wollen wir auch zeigen“, betont Cemal Boyraz. Das Aşure-Fest sei ein Symbol friedlichen Zusammenlebens in einer interkulturellen Gesellschaft.

Trotz Urlaubszeit und leichtem Dauerregen drängten sich zahlreiche Menschen unter die Pavillons und ließen sich die Süßspeise schmecken. Erstmals gab es musikalische Begleitung durch die Musikgruppe von Sivasli Canlar. Cemal Boyraz bedankte sich ausdrücklich beim Quartiersmanagement-Team für die Unterstützung. Das Fest hatte aus dem Aktionsfonds einen Zuschuss erhalten.

Webredaktion